Je nach persönlichem Musikgeschmack werden Menschen individuell von bestimmten Songs berührt. Man lässt sich in seine Lieblingsmusik fallen, in ausgewählten Stimmungen davontragen, die Seele baumeln oder sie kann vorherrschende Emotionen intensivieren. Musik ist Therapie, Beschäftigung, Unterhaltung und Wiederentdeckung von Gefühlen oder Erinnerungen.

Für immer erinnern

Das Zusammenspiel von Musik und unserer Gefühlswelt interessiert Forscher der Neurologie und Psychologie seit jeher. Welche Rolle spielt das Unterbewusstsein bei der täglichen Musikauswahl? Wie kommt es, dass bestimmte Songs mit gewissen Emotionen assoziiert werden, die man durch wiederholtes Anhören der Musikstücke praktisch auf Knopfdruck immer wieder abrufen kann? Oder ist es die Musik selbst, die unsere momentane und langzeitliche Stimmung kreiert und beeinflusst?

Durch Rhythmus, Tonlagen der Melodie und eventuell einer Gesangsstimme werden bestimmte Bereiche im Gehirn aktiviert. Man versucht unterbewusst, den Ablauf des Liedes zu erkennen, vorherzusagen und zu speichern, wodurch eine Wechselwirkung aus An- und Entspannung ausgelöst wird. Dies führt durch Hormonausschüttung im Gehirn zu einem Gefühl von Befriedigung, von psychischer und physischer Ergriffenheit beim Musikhören.

Vor allem bei Kindern und jungen Menschen werden emotional intensive Erlebnisse, die mit bestimmten Musikstücken stattfinden oder begleitet werden, für immer in der Erinnerung verankert. Daher ist es ungewöhnlich, in fortgeschrittenem Lebensalter seinen Musikgeschmack komplett zu verändern. Die Emotionen des Lebenslaufes sind untrennbar mit der Musik verknüpft, die man als junger Mensch ansprechend fand.

Emotionen erleben

Bestimmte Songs wählen wir aus, um aktuelle Stimmungen auszuleben. Traurige Musik in einer melancholischen Gemütsverfassung macht uns nicht noch trauriger, sondern erlaubt uns, die Traurigkeit intensiv wahrzunehmen, und sogar als ästhetisch zu empfinden. Für Stressabbau, das Überwinden negativer Gefühle und tiefste psychische Selbstwahrnehmung sind die Songs, die wir hören eine große Hilfe.

Musik vermittelt also nicht nur Emotionen, sie vertieft sie, intensiviert Gefühlserlebnisse, und lässt uns selbst besser kennenlernen. Musikliebhaber haben somit einfacheren Zugang zu ihren Gefühlen, können diese klarer definieren und benennen, und wissen, dass nach jedem traurigen Lied auch wieder ein fröhliches gehört werden kann.